Nach der Bestandsaufnahme folgt der entscheidende Schritt: die Definition eines klaren und belastbaren Zielbilds.
Viele Digitalisierungsinitiativen scheitern nicht an der Umsetzung, sondern bereits daran, dass Ziele zu unklar, zu technisch oder nicht ausreichend abgestimmt sind.
Ein erfolgreiches Transformationsvorhaben benötigt daher mehr als einzelne Maßnahmen – es braucht ein konsistentes, integriertes Zielbild, das Orientierung gibt und Entscheidungen ermöglicht.
Zieldefinition ist kein Wunschbild – sondern ein Steuerungsinstrument
In der Praxis werden Ziele häufig formuliert als:
- „Prozesse digitalisieren“
- „Effizienz steigern“
- „Systeme modernisieren“
Diese Aussagen sind zwar richtig, aber für die Steuerung eines komplexen Vorhabens nicht ausreichend.
Ein belastbares Zielbild muss:
- konkret und nachvollziehbar sein
- zwischen Business und IT abgestimmt sein
- priorisiert und realistisch umsetzbar sein
- als Grundlage für Entscheidungen dienen
Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, wird aus einer Zieldefinition ein echtes Steuerungsinstrument.
Zentrale Elemente einer belastbaren Zieldefinition
1. Business-Ziele und Mehrwert
Die zentrale Frage lautet:
👉 Welchen konkreten Mehrwert soll die Digitalisierung schaffen?
Beispiele:
- Effizienzsteigerung in Kernprozessen
- Reduktion von Durchlaufzeiten
- Verbesserung der Datenqualität
- Erhöhung der Transparenz und Steuerbarkeit
- neue digitale Geschäftsmodelle oder Services
Wichtig ist, dass diese Ziele messbar und priorisiert sind.
2. Zielbild der Prozesse
Digitalisierung bedeutet immer auch Veränderung von Prozessen.
Ein klares Zielbild umfasst daher:
- wie Prozesse künftig ablaufen sollen
- welche Schritte entfallen oder automatisiert werden
- wo Medienbrüche beseitigt werden
- wie End-to-End-Prozesse gestaltet sind
Ziel ist nicht die Digitalisierung bestehender Abläufe, sondern deren Neuausrichtung und Vereinfachung.
3. Zielarchitektur der Systeme
Ein häufiger Schwachpunkt ist eine fehlende oder unklare Systemstrategie.
Ein belastbares Zielbild muss beantworten:
- welche Systeme künftig relevant sind
- wie diese miteinander integriert sind
- welche Systeme abgelöst werden
- wie Daten zwischen Systemen fließen
Besonderes Augenmerk liegt auf der Vermeidung von:
- Insellösungen
- redundanten Systemen
- nicht integrierten Plattformen
4. Governance und Entscheidungsstrukturen
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Governance.
Ein klares Zielbild definiert:
- wer Entscheidungen trifft
- wie Prioritäten gesetzt werden
- wie Änderungen gesteuert werden
- wie Transparenz über Fortschritt und Risiken hergestellt wird
Ohne klare Governance verlieren selbst gut definierte Initiativen schnell an Steuerbarkeit.
5. Priorisierung und Realisierungsfähigkeit
Nicht alle Ziele können gleichzeitig umgesetzt werden.
Deshalb ist eine klare Priorisierung entscheidend:
- Was hat den größten Impact?
- Was ist kurzfristig umsetzbar?
- Welche Abhängigkeiten bestehen?
Ein gutes Zielbild ist nicht maximal umfassend, sondern klar priorisiert und umsetzbar.
Typische Fehler in der Zieldefinition
In vielen Projekten zeigen sich wiederkehrende Schwächen:
- Ziele sind zu abstrakt oder zu technisch formuliert
- Business und IT sind nicht ausreichend abgestimmt
- Zielbilder berücksichtigen keine Systemabhängigkeiten
- Governance wird nicht definiert
- Prioritäten sind unklar oder politisch geprägt
Diese Defizite führen dazu, dass Projekte später an Komplexität und fehlender Entscheidungsfähigkeit scheitern.
Ergebnis der Zieldefinition
Am Ende dieser Phase sollte ein klares und abgestimmtes Zielbild vorliegen:
- definierte Business-Ziele und erwarteter Mehrwert
- strukturierte Prozess-Zielbilder
- abgestimmte Zielarchitektur
- klare Governance-Strukturen
- priorisierte Umsetzungsfelder
Dieses Zielbild dient als Grundlage für die nächste Phase: Entwicklung einer umsetzbaren und belastbaren Transformationsstrategie






